Mit dem Rollstuhl nach Pattaya
Mit dem Rolli nach Pattaya, Reisebericht von Dirk

Wer im Rollstuhl sitzt muss nicht zwingend den Urlaub im heimischen Garten verbringen, allerdings gibt’s oft auch nicht so schöne Überraschungen! Wir haben es in den letzten Jahren leider oft erlebt, dass die angebotenen „rolligerechten“ Hotels dann letztendlich doch nicht so ganz den Bedürfnissen eines ständig im Rollstuhl sitzenden Menschen entsprachen, – selbst bei Buchungen über „behindertengerechte“ Kataloge.
Anders aber in diesem Pattaya-Urlaub!
Ich buchte das Hotel MERCURE (ACCOR-Gruppe) in Pattaya über das Internet
bei einem asiatischen Reisebüro, da ich annahm, preislich ein Schnäppchen
zu machen. Den Flug besorgte ich mir ebenfalls über das Netz, na ja ganz
normal mit Lufthansa / Thai Air von Berlin, über München nach Bangkok! Hin
und zurück für 830,- € /pro Person incl. Reiserücktrittsversicherung! (wie
sich später heraus stellte, kann man das Hotel im Reisebüro um die Ecke,
z.B. über „Meiers Weltreisen“ aber ebenfalls sehr preiswert bekommen! Bei
den Flügen dagegen lohnt sich ein früher Vergleich, die Preise variieren
doch sehr stark!)
Frühe Buchung – besserer Preis, aber gleich per Kreditkarte zu bezahlen,
dass ist nun wirklich nicht immer so einfach, denn wer hat mal schnell die
Summe für den Flug ein halbes bis dreiviertel Jahr vor der Reise übrig?
– Also lohnt sich auch hier vielleicht doch auch der rechtzeitige Gang ins
Reisebüro, denn da werden nur ca. 20% gleich fällig, die Restzahlung dann
ca. 4 Wochen vor Reisebeginn! Egal wie, WICHTIG auf jeden Fall den Rollstuhl
bei der Fluggesellschaft anmelden lassen!
Den Weg zur Bank, wegen der sicheren Traveller Schecks, kann man machen,
ich werde ihn mir beim nächsten mal aber sparen, da man die baren Euros
an jeder Ecke in Pattayas Wechselstuben tauschen kann und der Zimmersafe
im Hotel ausreichend sicher ist! Geld abheben mit Kreditkarte? – Ebenfalls
überhaupt kein Problem – aber etwas teurer!
Dann nun die Reise, Tags zuvor große Aufregung beim Koffer packen für 3
Wochen, so viel Zeug und so kleine Koffer! Vielleicht auch noch schnell
ein nettes neues Outfit kaufen? Noch den Sommerschnitt vom Friseur? – Vergesst
es, alles rausgeschmissenes Geld. Badehose /Bikini, 2 kurze Hosen, T-Shirt,
Waschzeug, - und den Rest kauft man in Pattaya unglaublich preiswert und
chic ein!
Nach
etwa 10 Stunden Flug ab München kamen wir am 4. Nov. in Bangkok an. Gott
sei Dank wurden wir von einem Flughafenmitarbeiter, der mich aus dem Flieger
holte bis zur Kofferausgabe und durch die Passkontrolle gebracht. Ca. 10
Minuten Weg, unglaublich groß dieser neue Flughafen! – Wir hätten uns alleine
bestimmt verlaufen! Koffer schnappen, Passkontrolle und raus! Sofort wurden
wir angesprochen ob wir Taxi oder Limousine bräuchten, und saßen 5 Minuten
später in einem gut klimatisierten Mittelklassewagen auf dem Weg von Bangkok
nach Pattaya! (Die Preise variieren sehr stark und man kann sicher billiger
fahren.
Aber angesichts der sportlichen 70€/Person welche deutsche Reiseveranstalter für den Transfer von Bangkok nach Pattaya aufrufen, sind selbst 1800 oder 2000 Baht für die Limo das reinste Schnäppchen!!!!
Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt kamen wir an unserem Hotel an. Aussteigen,
Einchecken und aufs Zimmer – dauerte alles keine 10 Minuten! Und was für
ein schönes Zimmer! Klimaautomatik und ein Balkon auf den ich auch mit meinem
Rolli alleine kam. Und vor allem das Bad / die Dusche! Ich glaubte es erst
nicht wirklich, denn was haben wir in den letzten 10 Jahren schon auf unseren
Fernreisen erlebt! Das war das erste Hotel, in dem ich wirklich ohne die
Hilfe meiner lieben Frau auskommen konnte, einfach super!
„Na ja, der Haken kommt bestimmt noch“ – dachte ich mir auf dem Weg zum
Hotel-Restaurant, bestimmt ein paar Stufen in die Bar oder ins Restaurant?!
Das Restaurant war von der Lobby aus erreichbar und auf die Terrasse ging’s
auch über die Poolseite – und, nichts mit Stufen! Einfach toll. Nach dem
Abendbrot im Hotel begutachteten wir erst mal die schön gestaltete und im
Dunkel der Nacht angestrahlte Poollandschaft.
Bei unserem abschließendem Cocktail in der Hotelbar, (übrigens ebenfalls
ohne irgendwelche Hindernisse erreichbar!), bei dezenter Livemusik, waren
wir uns dann einig: Ja, das war das richtige Ambiente für 3 Wochen Urlaub!
Den ersten Sonnenaufgang erlebte ich auf dem Balkon. Die Zeitumstellung
und das plötzlich andere Klima ließen mich die ersten Nächte nur schlecht
schlafen.

Die Frau geweckt und voller Tatendrang ab zum Frühstück. Amerikanisches Buffett, übrigens im Zimmerpreis enthalten. Sehr lecker, auch wenn für den Europäischen Gaumen eine Nudelsuppe vielleicht nicht unbedingt zum Frühstücksangebot gehören müsste. Aber mit Eiern in allen Variationen, Schinken, Speck und kleinen Würstchen, Toast, Croissants Marmeladen und verschiedenen Obstsorten und Säften fühlten wir uns aufs Beste versorgt. Im Laufe der Zeit vermissten wir beim Frühstück dann allerdings doch etwas Käse oder ein paar verschiedene Wurstsorten.
Da im Mercure-Hotel aber sehr viele Asiatische Reisegruppen übernachten
ist das Frühstücksangebot im Hotel natürlich auch auf deren Frühstücksgewohnheiten
abgestimmt.
Und wem es nicht ausreicht oder mit der Zeit zu eintönig wird, der kann
in der Stadt an jeder Ecke für 120 Bath ein leckeres Frühstücksbuffett bekommen.
Bei unserem abschließenden Kaffee auf der Restaurant-Terrasse war es mit
dem Tatendrang für den ersten Morgen dann aber mal ganz schnell vorbei.
Die Sonne brannte und man war schon beim Frühstück das erste Mal durchgeschwitzt!
Wir einigten uns daher das alles langsam angehen zu lassen und einen Eingewöhnungstag
am Pool zu verbringen. Das war eine wirklich gute Idee. Um 11.00 Uhr war
eine 20-minütigeWassergymnastik - Animation im Pool (übrigens jeden Tag)
und danach wurde durch das Hotelpersonal zum Blumengesteck basteln zu „Loy
Kratong“ eingeladen, an dem unter anderem meine Frau auch teilnahm.
Zum Glück, wie sich herausstellte, denn beim Basteln lernte meine Frau eine ebenfalls beflissen bastelnde Dame aus Deutschland kennen, die mit ihrem Mann schon zum Dritten Mal in Pattaya waren und sich im Gegensatz zu uns schon prima auskannten. Der Rest war dann ganz einfach. Wir aßen in guten aber auch preiswerten Restaurants, ließen uns in den Massagestudios die an jeder Ecke sind verwöhnen und wurden (leider) auch in die Welt des Shoppens eingeführt! –Na ja, das wäre auch ohne fremde Hilfe passiert! Das Tollste war aber, dass die beiden Frauen auf Shopping-Bummel-Tour waren und uns großzügiger Weise für 1-2 Stunden am Abend in das wilde Bar-Leben entließen.
Sozusagen in die Aufbewahrungsstelle für zeitweilig überflüssige Ehemänner! – Ganz schön gewagt-!!! Aber nach dem Shoppen stießen sie dann zu uns und wir verbrachten zusammen wunderbare Stunden in Pattayas Nachtleben.
Von unserem Hotel aus fährt ein hoteleigenes Shuttle (TUK TUK, oder aber
auch Pickup) völlig kostenlos bis zur 2.Road, da wo das Leben tobt, und
sobald ein Hotelgast von seinem Bummel an der dort eingerichteten Station
des Hotels erscheint, wird das Shuttle wieder gerufen um die Gäste die schlappen
800 m bis zum Hotel zurück zu fahren. Sicher kann man diese Strecke laufen,
aber im Rollstuhl die sanfte aber stetige Steigung bis zum Hotel? – Wir
waren froh über den Shuttle Transfer!
Von
der eben beschriebenen Station an der 2. Straße ist es dann auch gar nicht
mehr weit zur Walking-Street, wie ich glaube dem Höhepunkt des Nachtlebens
in dieser Stadt?!
Bars, Restaurants, Juweliere, reihen sich aneinander, aus jeder Ecke kommt
Musik, hier eine fahrbare Dönerbude, dort ein mobiler Grill mit den verschiedensten
Leckereien, zwischendurch die Blumenverkäufer, die Girls an ihren Bars und
nicht zu vergessen die „überweiblichen“ Boy-Girls ergeben mit den Strömen
von Touristen aus aller Herren Länder ein schier unbeschreibliches buntes
Getümmel was im Schein der vielen Leuchtreklame einem wirklich die Sinne
benebelt.
Wir waren oft auf dieser Straße in den verschiedensten Bars und saßen bei unseren Drinks einfach nur, das Treiben auf der Straße beobachtend, stundenlang da. Allerdings wurden unsere Frauen so ca. ab 23.00 Uhr etwas quirlig. Da machten die Juweliere ihre Läden dicht und die fliegenden Händler mit ihren T-Shirts, Schuhen, Ketten, Taschen etc. bauten ihre Stände auf.
Da wurden sofort die „Schnäppchen“ gewittert! – Aber Recht so! 1. war
Urlaub und 2. ist es dort so was von preiswert, dass die Urlaubskasse nie
überstrapaziert wurde. Im Hotel zurück waren wir nie vor 01.00 Uhr, meist
noch viel später! Aber morgens kann man etwas ausschlafen, denn Frühstück
gibt’s bis 10.30 und das Leben in den Straßen und Geschäften beginnt auch
erst so gegen 11.00 Uhr!
Das Ausflugsangebot ist, wie schon an anderer Stelle auf dieser Seite beschrieben,
sehr schön! Der „Nong Noch Garten“ sowie der „1 Millionen Jahre Steine Park“,
sind auch für Leute im Rolli, wenn man denn in Begleitung ist, und nicht
die ganze Zeit alleine für seine Fortbewegung sorgen muss, sehr
empfehlenswert.
Es gibt in diesen Parks barrierefreie Wege zu den entsprechenden Shows und Sehenswürdigkeiten. Bei den Shows sitzt man als Rollifahrer im wahrsten Sinne des Wortes in der Ersten Reihe, teilweise vor der Absperrung, Super für Fotos oder Filmaufnahmen! Auch im „Sri Racha Tigerzoo“ kann man mit dem Rolli einen gebuchten Ausflug machen! Allerdings ist das Programm dort etwas gedrängt und man fühlt sich ein wenig gehetzt! Wenn man wie wir ein Mittagessen im gebuchten Ausflug inklusive hat, wird einem das Essen auf Wunsch auf der Terrasse serviert, da das Restaurant nur über Stufen erreichbar ist.
An meinem Rolli packten kurzer Hand ein paar Leute mit an und so brauchte
ich keine „Extrawurst“! (Obwohl ich über 100 Kg. wiege!). Wahrscheinlich
kann man aber auch auf eigene Faust zum Tigerzoo fahren und sich seine dortige
Tour einrichten wie man selbst gern möchte.
Die weitere Umgebung unserer Wohngegend erkundeten wir dann in den späten
Nachmittags- und Abendstunden. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist es schon
oft auf der Strasse mit dem Rolli zwischen den ganzen Autos und Mopeds zu
sein, aber da kommt man stellenweise besser lang als auf den überfüllten,
oder zugestellten und mit hohen Bordsteinen versehenen Bürgersteigen.
Die Kaufhäuser, das „Royal Garden Palace“ und die „Shopping Mall“ sind irgendwie
eine Sensation für sich, das muss man einfach erlebt haben.
Vom Eingang in der 2. Road einmal durch und man ist an der Beach-Road! Dort
hat man sich dann in einem der vielen Restaurants etwas zu trinken verdient!
Die Häuser sind natürlich voll klimatisiert versteht sich, damit die Damen
auch genügend Zeit haben nach dem richtigen und gerade noch fehlendem Utensil
Ausschau zu halten.
Aber ich muss gestehen, dass es mir als ausgewiesenem Einkaufsmuffel
auch sehr gefallen hat! Beide Häuser sind übrigens mit einem Fahrstuhl ausgerüstet,
so dass man auch im Rolli seine Frau Gemahlin in die weiteren Einkaufsebenen
begleiten darf! Schade, dass das Gruselkabinett und das Museum bei Rippley
im 3. Stock des „Plaza“ nicht für Rollis geeignet ist, denn da wäre ich
gerne mal rein gegangen, - aber man kann ja nun auch nicht alles haben!
Jeden Abend gönnte ich mir eine schöne Thai-Massage! Ne wirklich Super,
eine Stunde Kopf, Nacken, Arme und Hände massieren lassen, wer im Rolli
sitzt und immer die selben Bewegungen ausführt, der weiß das ganz besonders
zu schätzen! Die Stunde kostete nur umgerechnet 4 €, das war schon fast
peinlich! Wir gingen aber dafür jeden Abend in denselben Salon, so dass
wir drei Wochen sichere Kundschaft für die Mädels waren!
Ich glaube nicht, das es in Deutschland einen Ort gibt, an dem „Mc Donalds“
und „Burger King“ Tür an Tür und von „Kentucky Fried Chicken“ flankiert
ihre Geschäfte betreiben. In Pattaya gar kein Problem!
Die ganze Stadt besteht eigentlich nur aus Bars, Massagesalons, Schneidern,
Juwelieren, Restaurants und Verkaufsstätten jeglicher Art. Hier findet man
alles was das Herz begehrt!
Am Strand, der nicht ganz so schön ist wie anderswo, wird man aber auch
hervorragend bedient und bewirtet. Für nur 30 Bath (bei uns jedenfalls,
vielleicht ist es woanders noch preiswerter?) hat man seine Liege den ganzen
Tag. Hilfe mit dem Rolli an diese zu gelangen war selbstverständlich!
Gekühlte Getränke aller Art waren immer vorrätig und zum Kaffee ging man
zwischendurch in das Kleine Kaffee auf der anderen Straßenseite. Massagen,
Maniküre oder Pediküre wurden am Strand von eigens dafür ausgerüsteten Frauen
auf Wunsch sofort und in TOP-Qualität zu den schon erwähnten kleinen Preisen
durchgeführt!
Die unendlich vielen Taxen hupten uns jedes Mal an, wenn wir gerade mal
wieder auf der Fahrbahn unterwegs waren. Anfangs dachte ich die brauchen
mehr Platz, aber nein, die wollten uns mitnehmen! Das müssen wir dann aber
wohl aufs nächste Mal verschieben, denn mit dem Rolli war uns das dann diesmal
noch nichts!
War auch in der näheren Umgebung so toll, dass die drei Wochen wie im Fluge
vergingen. Pattaya ist wirklich auch im Rolli eine Reise wert. Übrigens,
ich habe bisher im Urlaub nirgends so viele Rollstuhlfahrer gesehen wie
in Pattaya. Also gehe ich davon aus, dass es noch mehrere gute rollstuhlgerechte
bzw. behindertengerechte Hotels und Unterkünfte geben muss. Ach ja, im „Royal
Garden Plaza“ befindet sich eine Behinderten-Toilette. Das ist gut und nützlich
zu wissen, denn man muss seinen Bummel nicht abbrechen um ins Hotel zu gehen
wenn einem nach dem einen oder anderen Drink mal die Blase drückt!
Vielleicht noch ein letztes Wort zu den vielen Restaurants. Wir haben in
vielen gegessen und es hat überall gut geschmeckt. Als Richtlinie kann man
sagen: da wo es voll ist, da schmeckt es besonders gut, oder das Essen ist
hier gut und vielleicht besonders preiswert!
Besondere Erwähnung verdient in diesem Sinne aber unbedingt das MALIBU an
der 2. Road. Dort isst man sehr gut und hat gleich noch die Gelegenheit
eine fast dreistündige Show (Travestie und Playback, mit Elvis und Tina
Turner) zu erleben. Und zwar völlig kostenlos! – Natürlich gaben wir beim
Verlassen des Lokals ein kleines Trinkgeld, aber es hat uns so gut gefallen,
dass wir uns diese Show 2-mal ansahen.
Nun gut und genug der Schwärmerei! Pattaya ist auf jeden Fall ein lohnendes
Reiseziel auch wenn man an einen Rolli gebunden ist. Da lässt es sich hervorragend
aushalten! – Und wir sparen und fahren nächstes Jahr wenn es irgendwie geht,
wieder hin! Gibt ja noch so viel, was wir gar noch nicht gesehen haben!
©Dirk