Früher gehörten bettelnde Kinder in den touristischen Vierteln von Pattaya und Bangkok fast zum Straßenbild. Manche verkauften Blumen, Kaugummis oder kleine Leuchtartikel, andere baten direkt um Geld. Heute sehe ich solche Kinder deutlich seltener als noch vor vielen Jahren. Ganz verschwunden ist das Problem allerdings nicht.
Der Begriff „Straßenkinder“ ist dabei nicht immer richtig. Nicht jedes Kind, das auf der Straße bettelt oder etwas verkauft, lebt dauerhaft dort. Häufig handelt es sich um Kinder aus armen Familien oder um minderjährige Migranten, die gemeinsam mit Erwachsenen unterwegs sind. In einigen Fällen können Kinder aber auch gezielt zum Betteln oder Verkaufen eingesetzt und dabei ausgebeutet werden.
Meine Erfahrung mit jungen Trickdieben in Bangkok
Bei einem meiner früheren Aufenthalte in Bangkok wurde ich selbst von einer Gruppe Kinder bestohlen. Sie kamen mit Blumensträußen sehr nah an mich heran, redeten gleichzeitig auf mich ein und versuchten, meine Aufmerksamkeit auf ihre Waren zu lenken. Erst kurze Zeit später bemerkte ich, dass mein Geldbeutel aus der geschlossenen Bauchtasche verschwunden war.
Ob die Kinder allein handelten oder von Erwachsenen gesteuert wurden, konnte ich natürlich nicht feststellen. Die Vorgehensweise wirkte jedoch sehr eingespielt: Ein Teil der Gruppe lenkte mich ab, während ein anderes Kind offenbar unbemerkt den Reißverschluss öffnete und den Geldbeutel herausnahm.
Mein wichtigster Tipp:
Wenn dich mehrere Kinder gleichzeitig umringen, bleibe ruhig und schaffe
möglichst schnell etwas Abstand. Trage Geldbörse und Smartphone körpernah
und behalte Reißverschlüsse im Blick.
Auch eine geschlossene Tasche schützt nicht zuverlässig, wenn du abgelenkt wirst. Gute Dienste leistet unterwegs beispielsweise eine Crossbody-Umhängetasche* , die eng am Körper und vorne getragen wird.
Wie sieht die Situation heute aus?
Nach meiner persönlichen Beobachtung hat sich das Straßenbild in Pattaya und Bangkok verändert. Gruppen von Kindern, die Touristen sehr aufdringlich Blumen oder Kleinigkeiten verkaufen, begegnen mir heute wesentlich seltener als früher. Auch das aggressive Festhalten oder Umringen von Urlaubern ist zumindest in den bekannten Touristengebieten nicht mehr so alltäglich.
Daraus sollte man jedoch nicht schließen, dass das Problem vollständig gelöst ist. Noch immer werden in Thailand Erwachsene und Kinder beim Betteln angetroffen. Erst im Juli 2026 griffen die Behörden in Pattaya mehrere kambodschanische Erwachsene auf, die teilweise mit kleinen Kindern bettelten. Die betroffenen Kinder wurden anschließend in die Obhut einer Kinder- und Familieneinrichtung gebracht.
UNICEF weist ebenfalls darauf hin, dass Kinder, die zwischen Kambodscha und Thailand migrieren, besonders gefährdet sind. Zu den Risiken gehören Kinderarbeit, Ausbeutung, Menschenhandel und organisiertes Betteln. Nicht jedes bettelnde Kind ist automatisch Opfer eines Menschenhändlerrings – die Möglichkeit der Ausbeutung darf aber auch nicht ignoriert werden.
Sind bettelnde Kinder häufig Trickdiebe?
Nein, diese pauschale Behauptung wäre unfair. Die meisten Kinder befinden sich vermutlich selbst in einer schwierigen oder abhängigen Situation. Trotzdem können Touristen in Einzelfällen gezielt abgelenkt und bestohlen werden. Besonders vorsichtig solltest du werden, wenn mehrere Personen sehr dicht an dich herantreten, dich anfassen oder gleichzeitig Waren vor dein Gesicht halten.
Solche Ablenkungsmanöver sind nicht auf Kinder beschränkt. Sie können überall dort vorkommen, wo viele Menschen eng zusammenstehen – beispielsweise auf Märkten, in Ausgehvierteln, an Bahnhöfen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Wie sollte man sich gegenüber bettelnden Kindern verhalten?
Aus Mitleid spontan Geld zu geben, ist verständlich. Trotzdem lässt sich kaum erkennen, ob das Kind das Geld behalten darf oder an Erwachsene abgeben muss. Direkte Geldspenden können deshalb unbeabsichtigt ein System unterstützen, in dem sich der Einsatz von Kindern finanziell lohnt.
- Bleibe freundlich, aber bestimmt, wenn du nichts kaufen möchtest.
- Hole in einer Menschenmenge nicht deinen gesamten Geldbeutel hervor.
- Lasse dich nicht von mehreren Personen gleichzeitig umringen.
- Vermeide Streit oder körperliches Wegschieben.
- Unterstütze lieber eine seriöse Kinderhilfsorganisation.
- Melde einen konkreten Verdacht auf Ausbeutung den zuständigen Behörden.
Was tun bei einem Diebstahl oder einem Verdachtsfall?
Wenn dir etwas gestohlen wurde, solltest du möglichst schnell die örtliche Polizei oder die thailändische Touristenpolizei verständigen. Die Touristenpolizei ist unter der landesweiten Nummer 1155 erreichbar und bietet Unterstützung in mehreren Sprachen an.
Beobachtest du ein Kind, das offensichtlich bedroht, festgehalten oder von einem Erwachsenen zum Betteln gezwungen wird, solltest du nicht selbst eingreifen. Merke dir den Ort und eine möglichst genaue Beschreibung und informiere die Polizei. Dadurch schützt du sowohl das Kind als auch dich selbst.
Touristenpolizei Thailand: 1155
Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar. Bei unmittelbarer Gefahr oder
nach einem Diebstahl solltest du den Vorfall möglichst sofort melden.
Fazit: Vorsichtig sein, ohne die Kinder zu verurteilen
Bettelnde und aufdringlich verkaufende Kinder sind in Pattaya und Bangkok nach meiner Wahrnehmung heute deutlich seltener zu sehen als früher. Dennoch kommt es weiterhin zu Fällen, in denen Kinder zum Betteln eingesetzt oder in andere Formen der Ausbeutung hineingezogen werden.
Meine damalige Erfahrung mit einer Gruppe junger Trickdiebe hat mir gezeigt, wie schnell eine kurze Ablenkung ausreichen kann. Deshalb bleibe ich vorsichtig, ohne jedes bettelnde Kind automatisch als Täter zu betrachten. Die Kinder sind häufig selbst die Schwächsten in dieser Situation. Wer nachhaltig helfen möchte, unterstützt besser eine seriöse Hilfsorganisation, anstatt auf der Straße Geld zu geben.


